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Am Tag, bevor der neue Bewohner kam, waren wir alle vereint in einer
nahezu alles verzehrenden Besorgnis. Wir zogen die Möglichkeit in
Betracht, daß der neue Bewohner ein Mensch sein könnte, der wie wir
Geselligkeit mißbilligte. Wir zogen die Möglichkeit in Betracht, daß
der neue Bewohner alt sein oder im Sterben liegen, ja vielleicht sogar
noch während seiner ersten Nacht hier sterben könnte. Wir zogen die
Möglichkeit in Betracht, daß der neue Bewohner nur einen kurzen Blick
auf unser Zuhause werfen und sodann beschließen könnte, sofort wieder
abzureisen. Sollte dies der Fall sein, wären wir für ein paar Minuten
gekränkt und anschließend für immer und ewig erleichtert.
Uns blieb nur abzuwarten und ihm seinen Aufenthalt bei uns, der, davon
waren wir überzeugt, nur ein kurzer sein würde, so unangenehm wie
möglich zu machen. Aber niemand machte sich mehr Sorgen als ich, war
ich doch der jüngste Bewohner in unserem Zuhause und folglich
derjenige, sollte sich herausstellen, daß der neue Bewohner weder alt
war noch im Sterben lag, der aller Wahrscheinlichkeit nach am längsten
unter seiner Gesellschaft zu leiden hätte ...
Normalerweise nahm ich den Bus, um zur Arbeit zu kommen. Jeder, der auf
Verlangen die richtige Summe hinlegen konnte, war berechtigt, in ihm
Platz zu nehmen und den recht zweifelhaften Komfort seiner schmutzigen
und aufgeschlitzten Sitze zu ertragen. Der Bus war alt, aber er bewegte
sich. Er bewegte sich, allerdings nur langsam. Sein Fahrer war ein
junger Mann, der bestimmt bei sämtlichen Prüfungen in der Schule
durchgefallen und von daher gezwungen war, sein ganzes Berufsleben
jeden Tag aufs neue die Schmach zu ertragen, diesen Dinosaurier von
Fortbewegungsmittel zu fahren. Der Mann mußte außerdem die Schreie, das
Gekicher, den Dreck, die Liebe und den Haß der Schulkinder erdulden:
Der Bus war gleichzeitig der Schulbus. Während der Schulzeit
kutschierte er jeden Tag sämtliche Kinder der Gegend zu ihren Stunden
der Qualen. Die übrigen Fahrgäste waren im wesentlichen alte Männer und
Frauen, bisweilen Ehepaare, meistens jedoch nicht. Die Alten waren
unterwegs zu einem Ausflug in die Innenstadt, wo sie unter blinkenden
Neonreklamen in Cafés sitzen würden, um verwirrt der geistlosen Musik
zu lauschen, Tee und Kaffee zu schlürfen und seufzend den Kopf
hängenzulassen. |
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