John Barth | DER TABAKHÄNDLER

   
Aus dem amerikanischen Englisch von
Susanna Rademacher

Roman, 968 Seiten
Fadenheftung, mit Schutzumschlag
und Lesebändchen
€ 32,- / 53,80 sFr.
ISBN 978-3-935890-17-5
Pressestimmen
 

Deutschlandfunk/"Büchermarkt", 3. Februar 2004
Neue Zürcher Zeitung, 18. Dezember 2003
Die Literarische Welt, 11. Oktober 2003
Stuttgarter Nachrichten, 7. Oktober 2003


Deutschlandfunk/"Büchermarkt", 3. Februar 2004

von Joachim Scholl
"John Barth inszeniert ein rasantes literarisches Possen- und Maskenspiel, brennt ein hochkomisches Feuerwerk brillanter Ideen und Spekulationen ab, das die Frage nach dem "Wozu" im bunten Bilderzauber schließlich untergehen lässt. So gesehen bildet der Roman den Vorreiter der spielerischen Postmoderne, Jahrzehnte vor Umberto Ecos "Name der Rose", Robert Coovers "Pinocchio in Venedig" und Thomas Pynchons "Mason & Dixon". An alle diese Avantgarde-Klassiker muss man bei der heutigen Lektüre dieses alten "Tabakhändlers" unwillkürlich denken, verblüffend sind die Parallelen, Sprachwitz, Stilwut - und auch die Zeitlosigkeit der Stoffe! Was nicht nur daran liegt, dass die Werke in vergangenen Jahrhunderten spielen. Sondern im Grunde nur von sich selbst und der Wahrheit der Literatur handeln. "Der Tabakhändler" ist ein herrliches Buch über Bücher. Leben heißt darin lesen und darüber schreiben. Mit diesen wuchtigen 1000 Seiten plädiert John Barth für nichts sonst als den ehrwürdigen Geist der Erzählung und seine Kraft. An einer Stelle ruft der Held Ebenezer aus: "Bei Gott, ihr Herren, es gibt nichts Schöneres als eine Geschichte!" Noch schöner ist es, wenn einer wie John Barth sie erzählt."

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Neue Zürcher Zeitung, 18. Dezember 2003
Das verlorene Paradies
von Thomas Leuchtenmüller

"Susanna Rademacher hat das Buch kongenial ins Deutsche transportiert und brilliert vor allem bei den unzähligen Sprüchen und Gedichtstrophen (zu denen Cookes Originalverse zählen). Obendrein gefallen Übersetzungen nautischer Begriffe durch Präzision und Wiedergaben knapper Ausrufe durch Variationsbreite. Bemerkungen und Aktionen seines Personals unter­bricht Barth gegen Ende des Romans kurzfristig, um auf die Wahrhaftigkeit des Unwahrschein­lichen hinzuweisen. Dass dies nur eine weitere, fintenreiche Ebene des Wälzers darstellt, verwundert bei der Schlitzohrigkeit des Literaten keineswegs. Barth erkennt im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten» eh ein verlorenes Paradies; diese Einsicht verkraftet er mit trockenem amerikanischem Humor - dessen Wiege natürlich an der Chesapeake Bay stand."

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Die Literarische Welt, 11. Oktober 2003
von Wieland Freund

"Der Tabakhändler" ist eine postmoderne Travestie des historischen Romans, voller unzuverlässiger Zitate, verdrehter Anspielungen und Fakes aller Art. ...Wir haben es hier mit einer "Great American Novel" zu tun, und da, wo die ein bisschen Staub angesetzt hat in den vergangenen vierzig Jahren, nimmt man sie, bitteschön, als literarhistorisches Dokument."

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Stuttgarter Nachrichten, 7. Oktober 2003

Ein Held von schlichtem Gemüt
Uwe Baltner
Am besten lacht es sich immer noch über Leute, die auf Bananenschalen ausrutschen oder in Farbeimer fallen. Darum gelingt es dem US-Autor John Barth spielend, uns in seinem 1970 schon mal ins Deutsche übersetzten Slapstick-Roman "Der Tabakhändler" auf fast 1000 Seiten bei Laune zu halten.

Die turbulente Handlung setzt Ende des 17. Jahrhunderts ein. Im Mittelpunkt Ebenezer Cooke, ein englischer Jüngling von sehr schlichtem Gemüt, der an Weltfremdheit und chronischer Entscheidungsschwäche leidet. "Ich sitze zwischen allen Stühlen und lande mit dem Steiß auf der Erde", schreibt er seiner Zwillingsschwester, die er auf Befehl des Vaters verlässt, um in Maryland eine Tabakplantage zu leiten. Vom Gouverneur der Kronkolonie lässt er sich zum Hofdichter ernennen. Er gerät in die Fänge von Piraten, Mördern, politischen Intriganten, Opiumhändlern und Frauen, die es auf seine Jungfräulichkeit oder sein Geld abgesehen haben. Naiv wie Simplicissimus und ignorant gegenüber der Wirklichkeit wie Don Quijote: Cooke ist ein würdiger Nachfolger der grotesken Helden der Weltliteratur.
John Barth erweckt den pikaresken Roman zum Leben und persifliert ihn zugleich. Es gibt erotische Ausschweifungen, heftig überzeichnete Elemente des Abenteuerromans, auch Spott über das Schreiben. Er nimmt nichts ernst, am wenigsten die große Literatur - und hat auf diese Weise ein satirisches Meisterwerk geschaffen.

 
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