Ich spielte gerne während der nächtlichen Überfahrten, lieber als in Kneipen, Cafés oder Konzertsälen, denn zwischen den Bewegungen der Fähre und den Bewegungen der Musik entwickelte sich eine innere Beziehung, ein geheimnisvoller Zusammenhang – möglicherweise ein Rhythmus. Ich fuhr am liebsten die Strecke von Tallinn nach Stockholm, und zwar von Osten nach Westen, dem Lauf der Sonne folgend, zuerst in großem Abstand an der unsichtbaren finnischen Küste entlang, wo ich das Land in der Ferne spüren konnte, dann in die Gewässer hinein, die das Nordpolarmeer ankündigen und etwas vom Pol mit sich führen.
Wir waren da, alle vier, wie an vielen Abenden zuvor, der Wind blies ein wenig kräftiger, aber wir begannen zu spielen, das Schlagzeug, das Saxofon, die Gitarre, und ich, der Kontrabass. Die Leute kamen und hörten uns zu, sie waren nicht so zahlreich wie sonst, in der Bar klirrten Flaschen und Gläser, sie erinnerten an den Sturm, und die Fahrgäste klammerten sich beim Aufstehen an das Geländer, wir konnten kaum spielen. Die Schwankungen des Schiffs waren unberechenbar, es senkte sich, richtete sich auf, senkte sich wieder.
Langsam – wollten wir vielleicht das Schicksal beschwören? – und ohne ein Wort zu wechseln, packten wir unsere Instrumente ein und ließen sie in der Hoffnung, sie entgegen aller Wahrscheinlichkeit später dort wiederzufinden, im Saal zurück. Dabei hatten wir Mühe, das Gleichgewicht zu halten, und als wir die Treppen hinaufstiegen, gerieten wir in eine immense Flut von Passagieren, die aus Angst und Neugier hinaufdrängten.
Bevor ich an Bord gegangen war, hatte ich wie immer die Fähre betrachtet, um ihre gewaltige Größe abzuschätzen. Man hätte es für ein Hafengebäude halten können, das den hinteren Teil einer Straße einnimmt und in dessen noch dunklen Stockwerken bei Anbruch der Nacht die Lichter angehen würden. Das Meer war metallisch grau, durchzogen von Bergen und Tälern, die sich hoben und senkten, als atmete ein Meerungeheuer. Aber ich hatte keine Angst, es war nicht der erste Sturm, und wir wussten, womit wir in den Tagen um die Tagundnachtgleiche auf dem kalten Meer zu rechnen hatten. Seit zwei Jahren spielten wir zusammen auf der Fähre, gelegentlich traten wir auch anderswo gemeinsam auf, vor einem weniger kosmopolitischen Publikum. Aber auf hoher See hatten wir unsere intensivsten Gespräche, hier lernten wir uns erst richtig kennen.
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